Geschichte der Kirche Balm
Gründung im "Dunkeln Mittelalter"
In einer Urkunde von 1242 wird erstmals ein Leutpriester zu Balm
mit Namen Wernherus erwähnt. Wenige Jahrzehnte später. 1275, erscheint die Pfarrei Balm im
sogenannten «liber decimationis», einem Verzeichnis, das die Kreuzzugsabgaben im Bistum
Konstanz aufzählt.
Aus diesen beiden Dokumenten gewinnen wir die Sicherheit, dass es seit der
Mitte des 13. Jahrhunderts am steilen Südhang des Bucheggberges eine Pfarrkirche gab. Die
Dokumente sagen aber nichts Bestimmtes über Alter und Gründung der Kirche und Pfarrei aus.
Wie bei den meisten mittelalterlichen Kirchen können auch in Balm zwischen Gründung und
erster urkundlicher Nennung Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte verstrichen sein!
Kirche Balm
So behauptete Franz Haftner, der Solothurner Geschichtsschreiber des
17. Jahrhunderts, die Anfänge der Pfarrei in noch frühere Zeiten verlegen zu
können, da Burgunder und Römer im westlichen Teil unseres Landes friedlich miteinander
lebten. Anno 501 oder 508 habe ein reicher Herr, Felix Gradeier, hier in Balm eine Kirche gebaut.
Das historisch-biographische Lexikon der Schweiz hält 1930 noch im Text und auf einer
archäologischen Karte an der Meinung von römischen Ruinen und frühchristlicher Kirche
fest.
Auf römischem Opferplatz
Anders erzählt die Sage vom Balmkirchlein dessen Entstehung:
Wo sich heute in Balm die
kleine Kirche befindet, war vor Zeiten ein römischer Opferplatz. Aber als die Leute in der
Gegend zum Christentum bekehrt waren, beschlossen sie, auf dieser Opferstätte eine Kapelle zu
errichten. Mühsam war das Schleppen der für den Bau benötigten Steine, die zum Teil
vom Tal herauf, zum Teil vom Berg herunter auf den Bauplatz gebracht wurden, und der Schrecken der
Balmer war daher gross, als diese Steine eines Morgens alle im Dorf unten lagen. Es blieb ihnen
nichts anderes übrig, als das Baumaterial wieder hinaufzutragen. Doch am nächsten Morgen
waren die Blöcke neuerdings ins Dorf gerollt und so noch ein drittes Mal. Die Leute meinten,
es handle sich um einen bösen Streich neidischer Nachbarn, und sie gedachten nun, den
Übeltätern aufzulauern. In der folgenden Nacht stiegen einige beherzte Männer mit
Laternen den Berg hinan, verbargen sich in der Nähe des Bauplatzes, löschten die Lichter,
lauschten und warteten. Aber lange geschah nichts Aussergewöhnliches. Um Mitternacht aber
sahen die Männer plötzlich eine feurige Gestalt durch den Wald herunterkommen, und da
wussten sie, dass es der Teufel war, der sich dem Bau der Kapelle widersetzte. Sie wollten
fliehen, aber ihre Beine versagten den Dienst und sie mussten zusehen, wie der Teufel mit seiner
Gabel einen Stein nach dem ändern den Berg hinunter stiess. Nachdem er den letzten und
schwersten Brocken heruntergegabelt hatte, wandte er sich mit der Gabel gegen das Versteck der
zitternden Bauern. Sie sahen ihr letztes Stündlein gekommen und die Hilferufe erstarben in
ihren Kehlen. Nur einer sprach in seiner Not die Worte: "Du lieber Gott!"
Da heulte der Satan auf und verschwand für immer.
Arme Gemeinde, arme Kirche
Im Jahre 1963, also unmittelbar vor der grossen Restauration, wurden in der Kirche umfangreiche
Grabungen vorgenommen. Diese ergaben, dass das heutige Gebäude das dritte am Platze ist.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Kirche schon bald nach der Errichtung der Balmegg erbaut worden
ist (also ungefähr zu Beginn des Mittelalters).
Urkundlich erwähnt wird die Kirche erstmals im
13. Jahrhundert.
Viele Jahrhunderten fehlte es der Kirche Balm an Geld. Oft kamen deshalb nur
junge Kleriker, welche die Priesterweihe noch nicht empfangen hatten, nach Balm.
Wallfahrten bringen Gewinn
Im Jahre 1420 wurden auf dem Klosterplatz in Solothurn die Gräber der Thebäer entdeckt,
also jener römischen Soldaten, welche den christlichen Glauben nicht abschwören wollten
und als Märtyrer starben. Ihre Skelette wurden unter grosser Feierlichkeit in die
St. Ursen-Kirche von Solothurn gebracht. Mehrere Priester anderer Kirchen bewarben sich um
Reliquien.
So erhielt auch Balm ein St. Ursen-Heiligturm. Dadurch empfing die Kirche von Balm eine besondere
Verehrung. Möglicherweise entstanden zu dieser Zeit die Wallfahrten nach Balm, wodurch die
Kirche beträchtlichen materiellen Gewinn erziehlen konnte. War Balm 1275 das ärmste Kirchlein
der ganzen Region, so stand es anfangs des 16. Jahrhunderts unter den bucheggbergischen Kirchen in
hohem Range.
Als 1508 für den Römerzug Kaiser Maximilians Steuern eingezogen wurden, brachte Balm fast
den gleichen Betrag auf wie das viel grössere Messen oder Lüsslingen, während Aetingen
kaum die Hälfte Gelder aufbringen konnte.
Die Marienstatue hat die Reformation überstanden
Kampf zwischen altem und neuem Glauben
1517, vermutlich in der Hoch-Zeit der Wallfahrten, verliess der Geistliche Hiltbrand Bläsi die
Pfarrei und setzte einen unfähigen Kaplan als seinen Nachfolger ein. Damit begann der
allmähliche Niedergang der Pfarrei. Der Kaplan geriet schon bald mit einem Bauern des Dorfes
in Streit - und verletzte ihn tödlich. Er musste Balm verlassen. Die Pfarrei blieb einige Zeit
unbesetzt. Die treuen Kirchgänger besuchten die Messe in Messen oder in Solothurn. Mittlerweile
brach die Reformation über unser Land. Der neue Geistliche von Balm, Peter Uerlinger, war
bestrebt, die solothurnischen Untertanen vom Besuch der reformierten Predigten abzuhalten, aber schon
im Mai 1530 trat die Pfarrei zum neuen Glauben über, wie der solothurnische Rat nach Bern
schrieb. Hierauf wollte die Obrigkeit von Sotothurn die Kirchengeräte in ihre Verwahrung nehmen.
Bern sträubte sich dagegen - und es brach ein munterer Kampf um den neuen Glauben und die
Kirchengeräte aus! Der Priester Peter Uerlinger blieb bis 1538 in Balm - und trat dann, wie die
meisten Geistlichen der Region, zum neuen Glauben über. Einzig der Pfarrer Johann Hauri von
Messen blieb seinem Glauben treu. Da er das Dorf verlassen musste, zog er nach Selzach. Die Obrigkeit
von Bern schrieb allen Landvögten (1531), sie lasse den Leuten in ihrem Glauben den freien Willen.
Es folgten nun reformierte Geistliche nach Balm. Die Streitereien zwischen Bern und Solothurn
dauerten aber noch Jahrzehnte an,
bis sie am 19. Februar 1572 an einer Tagung zu Fraubrunnen ihren Abschluss fanden. Bern verzichtete
nun endgültig auf den Einsatz von Geistlichen in Balm und die Verwaltung des Kirchengutes ging an
die Kirchgemeinde Balm über.
Ruhige Jahrhunderte
Für das Kirchlein Balm folgten ruhige Zeiten. Im Jahre 1796 beschlossen die Bürger eine Renovation der Kirche, die aber (vermutlich)erst 1803 erfolgte.
Auf der Bergseite wurde der Felsen um sechs Fuss abgeschrotet, um die Feuchtigkeit abzuhalten. Im
Innern errichtete man eine neue Kanzel und Pfrundstühle für die Frauen. Diese
Verbesserungen waren dringend notwendig, denn nach der Aufhebung der Pfarrei (1572) wurde die
Kirche z.u einer blossen Filiale gestempelt und die Verwahrlosung nahm ihren Lauf.
Grosse Restauration
1949 erarbeiteten die Behörden einen Kostenvoranschlag für eine Gesamtrestauration des
Kirchleins. Die 22 000 Franken wurden als nicht tragbar bezeichnet und die Restaurierung
hinausgeschoben. Am 16.Januar 1962 stimmte die Kirchgemeindeversammlung Messen einer Restauration
zu. Architekt Ulrich Schlup aus Busswil legte einen Kostenvoranschlag von 171 000 Franken
vor. Nach der Zusicherung von 84 000 Franken an Subventionen erhielt das Projekt endgültig
grünes Licht. Während des ganzen Sommers 1963 waren die Archäologen
mit Ausgrabungen beschäftigt, um die Vergangenheit der Kirche zu erforschen. Dann setzten im
Frühjahr 1964 die grosser Arbeiten ein. Nach zwei Jahren, am 8. Mai 1966, konnte das
vollständig wiederhergestellte (restaurierte) Gotteshaus feierlich eröffnet werden.
Um dieselbe Zeit wurde die Kirchgemeinde Balm aufgehoben. Aus dem letzten Protokoll der
Kirchgemeinde lesen wir:
"Auf unsere Versammlung vom 10. Mai 1966 hob der Oberamtmann Hans Meier die Beschlüsse
der KirchgemeindeVersammlung vom 7. April 1966 am 13. Mai 1966 auf und erklärte, die
Kirchgemeinde sei kein rechtliches Gebilde mehr im Sinne des Gemeindegesetzes. (...) Nach
jahrhundertelangem Bestehen mit Tradition hat die Kirchgemeinde Balm keine rechtliche Gültigkeit
mehr und sinkt zur Verwaltungsabteilung der Kirchgemeinde Messen herab."
Baroker Spruch
Das Kirchlein heute
Heute überzieht ein neuer, heller Verputz wie eine Haut das Mauerwerk. Im unbemalt belassenen
Kalkabrieb sind alle Unebenheiten der Bruchsteinmauer sichtbar und die Spuren der letzten
Jahrhunderte eingegraben. Aussen sind es die Baunähte sowie alte Tür- und
Fensteröffnungen. Im Innern beleben Nischen und ein gotisches Sakramenthäuschen, ferner
ein sorgsam freigelegter und ergänzter barocker Spruch die kahlen Wände. Ein romanischer
Fensterschlits blieb offen und wurde dank dem Glasbild des heiligen Michael vom einheimischen
Künstler Max Brunner zu einem besonderen Schmuckstück des Raumes. Eine Konzession an die Bedürfnisse unserer Zeil ist ein Anbau auf der Bergseite, der als Sakristei,
Heizung und Geräteraum dienen soll.
Im Innern wurde der von Beschlägemustern überzogene Taufstein wieder aufgestellt,
während der originelle, einst im Kirchenschiff versenkte und 1963 wieder ausgegrabene gotische
Taufstein als Sehenswürdigkeit in der bergseitigen hinteren Ecke seinen Platz fand. Ebenfalls
restauriert wurde die alte Kanzel aus Nussbaumholz, welche von der Chormitte in die Ecke gerückt
und tiefer gesetzt wurde. Als Pendant auf der ändern Seite steht eine alte Kastenorgel.
Glockenhaus und Blick aufs Limpachtal
Das Glockenhaus, ein Seltenheit
Mit der Restaurierung wurde auch das Glockenhaus neben der Kirche und der Sonderbundslinde in seiner
ursprünglicher Form wieder hergestellt. Dieser eigenartige Glockenstuhl ist der einzige dieser
Art im Kanton Solothurn. Die Kirche hat drei Glocken. Die grösste hängt im Glockenhaus.
Sie trägt in schönen gotischen Lettern die Inschrift: "0 rex gloriae, christe, veni
nobis com pace - anno domini m.ccccc.XIIII" (1514). Auf ihrer Wölbung trägt sie vier Heiligenbilder: 1. Die Mutter Gottes mit dem
Christuskind, 2. Petrus mit dem Himmelsschlüssel, 3. der heilige Sebastian an einen Baum
gefesselt und 4. der heilige Bischof Theodulus mit einer Glocke. Die beiden kleineren Glocken im
Türmchen tragen die Jahreszahlen 1414 (?) und 1432 (eventuell 1482).
Quelle: Buch Balmkirchlein
Herausgegeben von W.Aeberhard, Balm